Barrierefrei:WAI Nutzer-Stories

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Hinweis

Original in Englisch: W3C/WAI – How People with Disabilities Use the Web, Part: Stories of Web Users: http://www.w3.org/WAI/intro/people-use-web/stories

Übersetzung in Deutsch: Edith Vosta

Stand: Entwurf, in Bearbeitung, 15.3.2015

Einleitung

Die folgenden Stories enthalten ausgewählte Szenarien, wie Menschen mit Behinderungen das Web nutzen, um die Wirkung der Barrieren im Web und die allgemeinen Vorteile zugänglicher Websites und Web-Anwendungen zu veranschaulichen.

Hinweis: Die folgenden Szenarien repräsentieren keine gegenwärtigen Menschen und zeigen nicht jede Art von Behinderung auf.

Herr Lee, Online-Einkäufer, farbblind

Herr Lee möchte neue Kleidung, Haushaltsgeräte und Musik einkaufen. Wie gewohnt verbringt er einen Abend mit Online-Shopping. Er hat eine der meist verbreiteten Sehbehinderungen bei Männern: Farbblindheit, konkret Rot-Grün-Farbblindheit, er kann die Farben Rot und Grün voreinander nicht unterscheiden.

Herr Lee hat bei vielen Websites Schwierigkeiten den Text zu lesen. Als er begann das Internet zu nutzen, erschien ihm auf den meisten besuchten Websites der Farbkontrast zu schwach bis hin zu nur mehr gleichen Abstufungen von Brauntönen. Er bemerkte, dass viele Webseiten Farben einsetzten, die für ihn aufgrund seiner Rot-Grün-Farbblindheit nicht unterscheidbar waren. In manchen Fällen erklärten ihm Hinweise auf der Webseite, dass reduzierte Preise in roter Schriftfarbe gekennzeichnet sind, aber der ganze Text erschein ihm in brauner Farbe. In anderen Fällen erläuterten Anweisungen am Beginn eines Formulars, dass Pflichtfelder mit rotem Text beschriftet sind, er konnte aber nicht sagen, welche der Felder Beschriftungen in roter Farbe enthielten.

Herr Lee hat herausgefunden, dass er Websites bevorzugt, die einen ausreichenden Farbkontrast und zusätzlich redundante Information zu den Farben einsetzen. Diese Websites bewerkstelligen dies beispielsweise mittels Benennung der Farben von der Bekleidung wie auch durch Anzeigen von Farbmustern. Oder indem zusätzlich zur Farbauszeichnung Text-Zeichen oder Symbole eingesetzt werden, zum Beispiel das Zeichen Asterisk bei reduzierten Preisangaben beziehungsweise im Bestellformular zur klaren Identifikation von Formularfeldern, die verpflichtend befüllt werden müssen, in Ergänzung zur farblichen Kennzeichnung dieser Pflichtfelder.

Nach weiteren Experimenten hat Herr Lee Einstellungsmöglichkeiten seines Internet Browsers gefunden, die es ihm erlauben, eigene Farben für Texte, Links und Hintergrund festzulegen. Er hat auch „Hoher Kontrast“-Ansichten entdeckt, wohin er umschalten kann im Fall von Webseiten, die schwierig zu lesen sind. Aber diese Methode funktioniert nicht für alle Websites, wie zum Beispiel für jene, die nicht so codiert sind, dass Benutzer die Darstellung der Website (Vordergrund- und Hintergrundfarben) überschreiben können.

Schlussendlich speicherte Herr Lee jene Online Shopping Websites als Favoriten in seinem Browser ab, wo er zuverlässige Information von Farben der Produkte erhalten kann oder wo es ihm möglich war, die Webseiten mit seinen Browsereinstellungen konsumieren zu können und nicht raten muss, welche Produkte preisreduziert angeboten sein könnten.

Sections related to Mr. Lee

Diversity of web users:

  • Color blindness (Visual disabilities)

Diversity in web use:

  • Customized fonts and colors (Distinguishing and understanding)

Accessibility principles:

  • Content can be presented in different ways (Perceivable)
  • Content is easier to see and hear (Perceivable)
  • Content is compatible with current and future user tools (Robust)


Herr Jones, Redakteur, RSI-Syndrom

Herr Jones ist Redakteur für eine Online-Zeitung und muss seine Artikel mit einer web-basierten Anwendung, einem Content Management System (CMS) des Herausgebers, erstellen. Nach 20 Berufsjahren entwickelte sich das RSI-Syndrom (Repetitive Strain Injury) in seinen Händen und Armen und das Tippen wurde für ihn schmerzhaft.

Herr Jons benutzt keine Maus, weil diese das Handgelenk überbelastet. Er kann auch nicht über einen langen Zeitraum ohne Schmerzen tippen. Nach Recherchen und Konsultationen hat Herr Jones eine Methode entwickelt, welche ihm erlaubt weiterhin als Redakteur zu arbeiten. Er benutzt

  • eine ergonomische Tastatur zur Entlastung seiner Hände und Arme,
  • Web-Browser mit Tastaturunterstützung um Websites ohne Maus nutzen zu können,
  • Spracherkennungssoftware um Texte zu diktieren anstelle zu tippen.

Es dauerte einige Monate bis Herr Jones an die Benutzung der Spracherkennungssoftware ausreichend gewöhnt war um damit komfortabel mehrere Stunden in einem Stück arbeiten zu können. Er benötigte mehrere Monate um die Tastatur-Kommandos seines Web-Browsers zu erlernen und damit erfolgreich verschiedene Webseiten nutzen zu können.

(Dennoch) Aber weiterhin kann Herr Jones keine Websites nutzen die keine Tastaturunterstützung anbieten. Zum Beispiel enthalten manche Websites Formulare und Kontrollfelder ohne Tastatur-Äquivalent (that do not have keyboard equivalents.) Um diese aktivieren zu können, musste er anstelle der Spracheingabe oder Tastatureingabe doch die Maus benutzen, welche sein RSI verschlechtert.

Viele Websites bieten auch keine Mechanismen an um Formulare, Navigationsmenüs oder andere Gruppen fokussierbarer Elemente einer Webseite mit der Tastatur zu überspringen. Um durch solche Webseiten zu navigieren musste er die Tastatur aufwendig oft benützen, was wiederrum seine Hand belastet.

Damit Herr Jones seine Arbeit als Redakteur fortsetzen kann, programmierten Web-Entwickler Umgehungslösungen (customized work-arounds) im CMS ein zugunsten der Erweiterung der Bedienung um Tastaturunterstützung, die anfänglich (ursprünglich) vermisst wurde. Das ist keine optimale Lösung und funktioniert auch nur für bestimmte Funktionen. Der Herausgeber plant daher ein CMS-Upgrade auf eine Version mit vollständiger Tastaturunterstützung, nicht zuletzt weil auch andere Mitarbeiter herausfanden, dass das Arbeiten mit Tastatur ihre Hände schont.

Sections related to Mr. Jones

Diversity of web users:

  • Repetitive stress injury (Physical disabilities)

Diversity in web use:

  • Accelerators (Typing, writing, and clicking)
  • Alternative keyboard and mouse (Typing, writing, and clicking)
  • Voice recognition (Typing, writing, and clicking)
  • Word prediction (Typing, writing, and clicking)
  • Keyboard navigation (Navigating and finding content)
  • Skip links (Navigating and finding content)

Accessibility principles:

  • Text alternatives for non-text content (Perceivable)
  • Content can be presented in different ways (Perceivable)
  • Functionality is available from a keyboard (Operable)
  • Users have enough time to read and use the content (Operable)
  • Users can easily navigate, find content, and determine where they are (Operable)
  • Content appears and operates in predictable ways (Understandable)
  • Users are helped to avoid and correct mistakes (Understandable)
  • Content is compatible with current and future user tools (Robust)


Frau Martinez, Studentin, hörbehindert

Frau Martinez besucht einige Distance-learning-Kurse in Physik. Sie ist 62 Jahre alt und hat Hörschwierigkeiten seit ihrer Geburt. Sie kann einige Geräusche wahrnehmen aber nicht genug um ein Gespräch vollständig zu verstehen. Daher lernte Sie Gebärdensprache zusätzlich zur Laut-/Schriftsprache.

Frau Martinez hatte keine Probleme mit dem Lehrgang (Curriculum) bis die Universität das Online-Material auf Multimedia mit einer beträchtlichen Sammlung an Audio-Vorträgen umstellte.

Bei Präsenz-Veranstaltungen stellte die Universität Gebärdendolmetscher und CART Schriftsteller (diese tippen, was wörtlich gesprochen wird) zur Verfügung. Aber für web-basierte Unterweisung erkannten sie zunächst nicht, dass die Zugänglichkeit ein Thema ist. Dann sagten sie, dass Sie keine Idee haben, wie sie das Material in zugänglicher Form zur Verfügung stellen können.

Mit der Hilfe einer lokalen Behindertenorganisation war Frau Martinez in der Lage, darauf hinzuweisen, dass die Universität im Geltungsbereich einer Regelung liegt, die die Zugänglichkeit von Online-Lehrmaterialien erfordert. Sie war auch in der Lage, auf die Richtlinien für barrierefreie Webinhalte (Web Content Accessibility Guidelines - WCAG) hinzuweisen, als eine Ressource, die Anleitung anbietet, wie man Webseiten inklusive multimedialen Inhalten zugänglich machen kann.

Die Universität hatte die Audio-Vorträge (keine Videos) transkribiert und stellte diese Transkripte als Textdokumente auf ihrer Website zu den Audio-Dateien mit zur Verfügung. Für Multimedia-Präsentationen, die Video und Audio umfassen, bietet die Universität Untertitel für den Audio-Inhalt an. Frau Martinez nutzt einen Media-Player, der diese Untertitel direkt unter dem Video anzeigt, damit sie das Gesprochene im Kontext besser verstehen kann.

Durch diesen Prozess entdeckte die Universität viele weitere Vorteile von Transkripten und Untertiteln. Zum Beispiel war es viel einfacher, die zugänglichen Multimedia-Ressourcen umfassend in der Suchmaschine der Website zu indizieren. Sie fanden auch heraus, dass sie Untertitel in anderen Sprachen zur Verfügung stellen können, um ausländische Studierende zu unterstützen oder Studierende, die die Audio-Dateien nicht herunterladen oder abspielen konnten, und vieles mehr.

Sections related to Ms. Martinez

Diversity of web users:

  • Hard of hearing (Auditory disabilities)

Diversity in web use:

  • Captions (Hearing, feeling, and seeing)
  • Transcripts (Hearing, feeling, and seeing)
  • Sign language (Distinguishing and understanding)

Accessibility principles:

  • Text alternatives for non-text content (Perceivable)
  • Captions and other alternatives for multimedia (Perceivable)
  • Content is easier to see and hear (Perceivable)
  • Content is readable and understandable (Understandable)

Frau Laitinen, Leiterin der Buchhaltung, blind

Frau Laitinen ist der Chefin der Buchhaltung bei einer Versicherung, die webbasiert Dokumente und Formulare über ein Firmenintranet verwaltet. Sie ist blind und - wie viele andere blinde Computernutzer - liest nicht in Braille-Schrift.

Um ihren Computer und das Web nutzen, verwendet Frau Laitinen:

  • Bildschirmlesesoftware (screenreader), welches das auf dem Bildschirm angezeigte interpretiert und eine Sprachausgabe erzeugt
  • Web-Browser mit Tastaturunterstützung um Websites ohne Maus nutzen zu können

Sie benutzt die Tastatur um durch den Webseiteninhalt zu navigieren, oft durch Springen von Überschrift zu Überschrift, um einen Überblick über den Inhalt der Webseite zu erhalten. Ihr Bildschirmlesegerät zeigt die Strukturinformationen auf einer Webseite wie beispielsweise Überschriften, Spalten- und Zeilenüberschriften in Tabellen, Listenelemente, Links, Formular-Steuerelemente und mehr an. Sie ist eine Geschwindigkeit der Sprachausgabe gewöhnt, die ihre Mitarbeiter überhaupt nicht verstehen. Allerdings, wenn Websites nicht richtig codiert sind und keine Strukturinformationen enthalten, müsste Frau Laitinen jede Webseite von oben nach unten komplett durchlesen, um die Informationen, die sie braucht, zu finden. Dies ist unüberschaubar/ unhandlich (nicht zu beherrschen), und sie vermeidet solche Websites, wo sie nur kann – sowohl in der Freizeit als auch in der Arbeit.

Ein Großteil der Informationen in den Intranet-Dokumenten in ihrem Unternehmen ist in Tabellenform realisiert, die für Menschen mit Screenreadern manchmal schwierig zu lesen sind. Seit die Tabellen in diesen Dokumenten korrekt gekennzeichnet sind, kann auch sie sich leicht in den Tabellen orientieren und auf die Informationen zugreifen. Die Unterlagen enthalten auch Alternativtexte für Bilder, Beschriftungen für Formularelemente und andere Navigationshilfen, die vom Bildschirmlesegerät interpretiert werden können.

Als eine der Führungskräfte im Rechnungswesen-Personal muss Frau Laitenen regelmäßig Mitarbeiter (ein)schulen, die an verschiedenen Orten arbeiten und eine virtuelle Lernumgebung nutzen. Dazu gehören Videokonferenzen, der Austausch von Dokumenten und Präsentationsfolien sowie eine Live-Chatroom. Es war eine Herausforderung, eine Lösung zu erreichen, die für sie und andere Mitarbeiter mit Behinderungen zugänglich war, aber es hat sich als Vorteil für viele Mitarbeiter erwiesen.

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Diversity of web users:

  • Blindness (Visual disabilities)

Diversity in web use:

  • Screen reader (Hearing, feeling, and seeing)
  • Text-to-speech (Hearing, feeling, and seeing)
  • Transcripts (Hearing, feeling, and seeing)
  • Consistency and predictability (Navigating and finding content)
  • Descriptive titles, headings, and labels (Navigating and finding content)
  • Helpful error and success messages (Navigating and finding content)
  • Keyboard navigation (Navigating and finding content)
  • Skip links (Navigating and finding content)

Accessibility principles:

  • Text alternatives for non-text content (Perceivable)
  • Captions and other alternatives for multimedia (Perceivable)
  • Content can be presented in different ways (Perceivable)
  • Content is easier to see and hear (Perceivable)
  • Functionality is available from a keyboard (Operable)
  • Users can easily navigate, find content, and determine where they are (Operable)
  • Content is readable and understandable (Understandable)
  • Content appears and operates in predictable ways (Understandable)
  • Content is compatible with current and future user tools (Robust)


Frau Olsen, Schülerin, Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und Legasthenie (Dyslexie)

Frau Olsen besucht die Mittelschule und mag dort vor allem die Literatur Klasse. Sie hat Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und Legasthenie, die Kombination führt zu erheblichen Schwierigkeiten beim Lesen. Aufgrund des aktuellen Lehrplans ist sie begeistert von dieser Klasse.

Ihre Schule hat vor kurzem begonnen, die Klassenlehrbücher um Online-Lehrmittel zu ergänzen. Sie war zunächst besorgt über die Menge, da sie langsam liest. Sie experimentierte mit Text-to-Speech-Software, die den Text auf dem Bildschirm hervorhebt und gleichzeitig vorliest, und hat festgestellt, dass sie in der Lage war, viel leichter zu lesen, wenn sie bestimmte Abschnitte die zu lesen waren auch hört, anstelle bei jedem Wort kämpfen zu müssen.

Als sie mit dem Web begann, fand sie heraus, dass sie einige Websites viel einfacher verwenden kann als andere. Einige der Webseiten haben jede Menge Grafiken und Illustrationen, die ihr helfen, sich auf die Abschnitte die sie lesen will zu konzentrieren. In anderen Fällen jedoch, jenen mit Grafikanimationen, ist es sehr schwierig für sie sich zu konzentrieren und sie wird ständig durch die Bewegung abgelenkt. Sie stellte ihren Web-Browser so ein, dass animierte Grafiken nicht angezeigt werden oder die Bewegung blockiert wird, damit sie sich auf die entsprechenden Informationen konzentrieren kann. Aber das bedeutet auch, nicht mit jeder Website arbeiten zu können.

Eines der wichtigsten Dinge für sie war der Level an Zugänglichkeit von web-basierten Online-Bibliothekskatalogen und den allgemeinen Suchfunktionen im Web. Bis vor kurzem hat Frau Olsen die Bibliothek oft besuchen müssen und dort Hilfe gesucht, um die Informationen, die sie braucht, finden zu können. Heute ermöglicht ihr der online zugängliche Bibliothekskatalog der Schule, die richtigen Informationen ohne Hilfe zu finden.

Ihr Lehrer unterrichtete eine Reihe von verschiedenen Suchstrategien, aber manchmal sind die Suchmöglichkeiten noch immer ziemlich verwirrend für sie. Sie findet, dass Websites, die Fehlerkorrekturen bieten und alternative Schreibweisen der Suchbegriffe vorschlagen, ihr deutlich helfen. Auch Websites, die mehrere Navigationsmechanismen wie zum Beispiel eine Navigationsleiste, ein Suchfeld, eine Sitemap oder eine Positionsangabe (Brotkrümelpfad) anbieten, sind für sie leichter zu bedienen.

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Diversity of web users:

  • Attention deficit hyperactivity disorder, ADHD (Cognitive disabilities)
  • Dyslexia (Cognitive disabilities)

Diversity in web use:

  • Captions (Hearing, feeling, and seeing)
  • Screen reader (Hearing, feeling, and seeing)
  • Text-to-speech (Hearing, feeling, and seeing)
  • Pop-up and animations blockers (Distinguishing and understanding)
  • Reading assistants (Distinguishing and understanding)
  • Spelling and grammar tools (Typing, writing, and clicking)
  • Consistency and predictability (Navigating and finding content)
  • Helpful error and success messages (Navigating and finding content)
  • Keyword search (Navigating and finding content)
  • Multiple navigation mechanisms (Navigating and finding content)

Accessibility principles:

  • Text alternatives for non-text content (Perceivable)
  • Content can be presented in different ways (Perceivable)
  • Users have enough time to read and use the content (Operable)
  • Users can easily navigate, find content, and determine where they are (Operable)
  • Content is readable and understandable (Understandable)
  • Content appears and operates in predictable ways (Understandable)
  • Users are helped to avoid and correct mistakes (Understandable)
  • Content is compatible with current and future user tools (Robust)


Herr Yunus, Pensionist, geringes Sehvermögen, Zittern der Hand und leichte kurzfristige Gedächtnisverluste

Herr Yunus ist 85 Jahre alt und begann vor einigen Jahren das Web zu nutzen, um in Kontakt mit Familie und Freunden zu bleiben und über Kunstgeschichte zu lesen. Er hat geringes Sehvermögen, Zittern der Hand und leichte kurzfristige Gedächtnisverluste.

Er liest regelmäßig ausgewählte Nachrichten-Websites und verfolgt mehrere Blogs die ihn interessieren. Er benutzt auch einige Social-Networking-Websites, über die er mit seinen Kindern, Enkeln, anderen Verwandten und Freunden kommuniziert. Er unterhält ein Blog, in dem er über Kunstgeschichte und andere Themen, die ihn interessieren, schreibt. Sein Enkel setzte eine Foto-Sharing-Website auf, die seine Familie nutzt, um Bilder und Videos einzustellen, und er liebt es, Familienmitglieder zu sehen, die weit entfernt leben und die er sonst nicht so häufig sehen kann.

Herr Yunus hat Schwierigkeiten beim Lesen von Texten in kleiner Schriftgröße sowie mit dem Mausklick auf klein dargestellte (und zu eng beieinanderliegende) Links oder Formularelemente. Seine Tochter gab ihm eine spezielle Maus, die das Hand-Zittern kompensiert, und zeigte ihm, wie man den Text auf Webseiten mit Hilfe der Web-Browser-Einstellungen vergrößern kann. Diese Vergrößerung macht das Lesen von Text und das Klicken auf Links einfacher. Seine Web-Browser hat eine Zoom-Funktion, die die gesamte Seite skaliert, und eine Textvergrößerungseinstellung, die nur die Textgröße erhöht. Er zieht es vor, den Text zu vergrößern und nicht die gesamte Webseite, da das Zoomen der gesamten Webseite auf seinem Browser die Bilder verzerrt und ihn zwingt, horizontal zu scrollen, um den Text lesen zu können. Aufgrund seiner zusätzlichen Beeinträchtigung bei der Mausbedienung ist es schwierig für ihn, sich auf das Scrollen und das Lesen eines Satzes gleichzeitig zu konzentrieren.

Leider entdeckte Herr Yunus, dass viele Webseiten so gestaltet sind, dass die die Text Vergrößerung nicht unterstützen. Zum Beispiel kann die Textgröße nicht geändert werden oder Texte auf den Webseiten überlappen sich gegenseitig, sobald er die Textgröße erhöht. Ein weiteres Hindernis, das ihm begegnet, sind CAPTCHA-Bilder, die er auf verschiedenen Social-Networking-Websites findet. Der im Bild verzerrt dargestellte Text sollte von Computer und Menschen gleichermaßen erkannt werden können, aber Herr Yunus kann, auch nach Vergrößerung, die kleinen und verzerrten Text nicht lesen. Nur wenige Websites bieten Alternativen zu CAPTCHA-Bildern, die für ihn besser zugänglich sind.

Herr Yunus hat nach und nach Websites, womit er arbeiten kann, gefunden und diese als Favoriten abgespeichert. Er fand auch einen Web-Browser, der ihm hilft, diese favorisierten Websites zu organisieren, und zeigt ihm Bilder seiner Lieblings-Websites, so dass er sich nicht an deren Web-Adresse oder den Namen erinnern muss.

Sections related to Mr. Yunus

Diversity of web users:

  • Low vision (Visual disabilities)
  • Hand tremor (Physical disabilities)
  • Mild short-term memory loss (Cognitive disabilities)

Diversity in web use:

  • Screen magnification (Distinguishing and understanding)
  • Alternative keyboard and mouse (Typing, writing, and clicking)
  • Keyboard and mouse filters (Typing, writing, and clicking)
  • Mouse customization (Typing, writing, and clicking)
  • Bookmarks and history (Navigating and finding content)
  • Consistency and predictability (Navigating and finding content)
  • Descriptive titles, headings, and labels (Navigating and finding content)
  • Helpful error and success messages (Navigating and finding content)

Accessibility principles:

  • Text alternatives for non-text content (Perceivable)
  • Content can be presented in different ways (Perceivable)
  • Content is easier to see and hear (Perceivable)
  • Users have enough time to read and use the content (Operable)
  • Users can easily navigate, find content, and determine where they are (Operable)
  • Content is readable and understandable (Understandable)
  • Content appears and operates in predictable ways (Understandable)
  • Users are helped to avoid and correct mistakes (Understandable)
  • Content is compatible with current and future user tools (Robust)


Herr Sands, Supermarkt-Mitarbeiter, Down-Syndrom

Herr Sands hat im vergangenen Jahr in einem Supermarkt Lebensmittel der Kunden in Tüten gepackt. Er hat das Down-Syndrom und Schwierigkeiten mit abstrakten Begriffen, mit dem Lesen und mit mathematischen Berechnungen.

Er kauft in der Regel seine eigenen Lebensmittel in diesem Supermarkt ein, weil im dieser vertraut ist. Aber manchmal findet er sich vor so vielen Produkte-Entscheidungen, dass er verwirrt ist. Und er findet es schwierig, seine Ausgaben im Überblick zu behalten. Jedes mal wenn der Supermarkt seine Produktpalette und -anordnung ändert, muss er mühsam neu lernen, wo sein Lieblingsprodukte zu finden ist.

Vor kurzem besuchte er mit seinem Computer zu Hause einen Online-Einkaufsservice. Er erforschte die Website die ersten Male mit Hilfe eines Freundes. Er fand, dass er die Website ohne große Schwierigkeiten nutzen konnte, da die Artikel klar (eindeutig) angegeben waren, die Informationen und Anweisungen in einer einfachen Sprache, , die einfach zu verstehen ist, präsentiert wurden, und die Navigation konsistent und einfach zu bedienen war.

Sein Freund zeigte ihm auch Software, die Links und Formularoptionen auf der Webseite hervorheben und ihm half, solche Links und Optionen mit einer einzigen Taste zu selektieren (auszuwählen). Diese Software hat auch eine Wortvorhersagefunktion, die eine Auswahl von wahrscheinlichen Wörtern auf der Grundlage der ersten Zeichen anbietet, woraus er leicht auswählen kann. Herr Sands verwendet diese Funktion häufig, wenn er Text wie Kommentare und Produkt-Bewertungen eingibt. Er ist froh, dass die Website eine ähnliche Funktion für die Produkt-Suchfunktion anbietet, es hebt die Produktnamen hervor, die seine Software nicht kennt.

Die Website bietet auch eine Option an, die ihn aus der Liste der Produkte, welche er in der Vergangenheit bestellt hatte oder welche er als Favoriten gekennzeichnet hatte, auswählen lässt Sobald er entscheidet, was er kaufen will, wählt er das Produkt und legt es in seinen virtuellen Warenkorb. Die Website zeigt ihm jedes Mal nach Hinzufügen eines Artikels den Gesamtbetrag an. Das hilft ihm sicherzustellen, dass er sein Budget nicht überschreitet.

Herr Sands kauft jetzt ein paar Mal im Monat über die Online-Lebensmittel Website ein und kauft jeden Tag nur ein paar frische Produkte im Supermarkt, in dem er arbeitet. Er ist einer der vielen zufriedenen Kunden dieser nutzbaren Website.

Sections related to Mr. Sands

Diversity of web users:

  • Down syndrome (Cognitive disabilities)

Diversity in web use:

  • Easy-to-read text (Distinguishing and understanding)
  • Pop-up and animations blockers (Distinguishing and understanding)
  • Progressive disclosure (Distinguishing and understanding)
  • Reading assistants (Distinguishing and understanding)
  • Reduced interface (Distinguishing and understanding)
  • Accelerators (Typing, writing, and clicking)
  • Spelling and grammar tools (Typing, writing, and clicking)
  • Consistency and predictability (Navigating and finding content)
  • Descriptive titles, headings, and labels (Navigating and finding content)
  • Helpful error and success messages (Navigating and finding content)
  • Multiple navigation mechanisms (Navigating and finding content)

Accessibility principles:

  • Content can be presented in different ways (Perceivable)
  • Users have enough time to read and use the content (Operable)
  • Users can easily navigate, find content, and determine where they are (Operable)
  • Content is readable and understandable (Understandable)
  • Content appears and operates in predictable ways (Understandable)
  • Users are helped to avoid and correct mistakes (Understandable)
  • Content is compatible with current and future user tools (Robust)


Frau Kaseem, Teenager, taubblind

Frau Kasim verwendet das Web, um neue Restaurants zu finden, wohin sie mit Freunden und Klassenkameraden gehen will. Sie ist taub und wurde vor kurzem zusätzlich blind, sie kann nur kleine Ausschnitte am Bildschirm sehen.

Zu Hause benutzt sie die folgende Kombination von Hardware und Software, um das Web zu verwenden:

  • Bildschirmvergrößerungssoftware, um den Text auf Webseiten auf eine geeignete Schriftgröße zu vergrößern;
  • Bildschirmlesesoftware (Screenreader), die den Text auf einem Braille Lesegerät (refreshable braille device) ausgibt;
  • einen großen Bildschirm mit hoher Auflösung und hoher Leuchtkraft (Helligkeit) und
  • ein tragbares Braille-Ausgabegerät, das Zeichen in taktiler Form ausgibt.

Sie benutzt Bildschirmvergrößerungssoftware zum Vergrößern kleiner Ausschnitte einer Webseite auf dem gesamten Bildschirm. Die Lupe vergrößert auch den Mauszeiger auf dem Bildschirm, so dass sie diesen sehen kann. Wenn die Bildschirmvergrößerung nicht ausreicht, benutzt sie einen Screenreader, und die Ausgabe als Braillezeile, die sie langsam liest.

Frau Kasim verwendet auch ein Mobiltelefon (Smartphone), um auf das Internet zuzugreifen, wenn sie nicht zu Hause ist. Das Smartphone zeigt Schaltflächen oder Braille-Zeichen auf dem Bildschirm und setzt die Vibrations-Funktion ein und signalisiert, wenn sie mit den Fingerspitzen über den Touch-Screen tastet. Sie nutzt GPS auf dem Telefon, um sich besser zu orientieren, herauszufinden was in der Nähe ist, oder für Ton-Aufzeichnungen von Bewertungen über Restaurants in ihrem Lieblings-Stadtführer.

Sie benutzt oft die Website von öffentlichen Verkehrsmittel-Betreibern, um ihre Reisen zu planen. Allerdings werden die Busfahrpläne oft verzerrt angezeigt, wenn sie vergrößert werden, weil der Text in ihnen nicht umfließt oder in falscher Reihenfolge präsentiert wird. Die Zeitpläne für die S-Bahn sind in einem anderen Format, das eine bessere Vergrößerung ermöglicht. Die Website der Nahverkehrszüge setzt auch richtige Markup ein, um die Seitenüberschriften, Spalten- und Zeilenüberschriften in Tabellen, Listenelemente, Links, Formular-Steuerelemente und mehr anzeigen. Ihre Freundin erzählte ihr, dass diese Website auch mit einem Mobiltelefon einfacher zu verwenden war.

Frau Kasim fand Beratung bei einer Kontaktstelle für unzugängliche Websites und benachrichtigte den Webmaster der Website der öffentlichen Busse über die Barrieren auf die sie trifft. Sie erklärte auch, wie (warum) die Website der öffentlichen Züge für sie und für andere Handy-Nutzer besser benutzbar ist, und hofft, bald eine Antwort erhalten.

Sections related to Ms. Kaseem

Diversity of web users:

  • Deaf-blindness (Auditory disabilities)
  • Deaf-blindness (Visual disabilities)

Diversity in web use:

  • Braille (Hearing, feeling, and seeing)
  • Refreshable braille display (Hearing, feeling, and seeing)
  • Screen reader (Hearing, feeling, and seeing)
  • Text-to-speech (Hearing, feeling, and seeing)
  • Transcripts (Hearing, feeling, and seeing)
  • Customized fonts and colors (Distinguishing and understanding)
  • Screen magnification (Distinguishing and understanding)
  • Screen magnifier (Distinguishing and understanding)
  • Descriptive titles, headings, and labels (Navigating and finding content)
  • Helpful error and success messages (Navigating and finding content)
  • Keyboard navigation (Navigating and finding content)
  • Skip links (Navigating and finding content)

Accessibility principles:

  • Text alternatives for non-text content (Perceivable)
  • Alternatives for audio and video content (Perceivable)
  • Content can be presented in different ways (Perceivable)
  • Content is easier to see and hear (Perceivable)
  • Users have enough time to read and use the content (Operable)
  • Users can easily navigate, find content, and determine where they are (Operable)
  • Content appears and operates in predictable ways (Understandable)
  • Content is compatible with current and future user tools (Robust)